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jVS by www.joomess.de.

 

Im Jahr 2016 konnten Sie die Ausstellung "Straßennamen nach Verfolgten, Gegnern und Widerstandskämpfern des NS-Regimes" in den Räumen des Kulturhistorischen Vereins Feldmoching auf dem Gfild e.V. sehen, wenig später wurde die Ausstellung in den Räumen der Volkshochschule München-Nord gezeigt, sogar um einige Tafeln erweitert. Der Initiator dieser Ausstellung, Dr. Reinhard Bauer, Stadthistoriker, ehemaliger Münchener Stadtrat und Mitglied des Bezirksausschusses des 24. Stadtbezirks und Mitglied des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt München (alle Posten von Dr. Bauer hier aufzulisten wäre unmöglich), hat fantastische Arbeit geleistet, die wir an dieser Stelle durch unsere Veröffentlichung auf der Webseite würdigen wollen. Es wäre schade, wenn diese Ausstellung der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich wäre.

Viele Straßennamen der Landeshauptstadt München sind nach Personen benannt, aber oftmals wissen selbst die dort lebenden Bürger nicht, welche Geschichte hinter diesen Personen steht. Dr. Reinhard Bauer hat die Biografien derjenigen Personen zusammengestellt, nach denen Straßen im 24. Stadtbezirk benannt wurden und deren Leben vom Widerstand gegen das NS-Regime geprägt war oder die Opfer desselben wurden.

Viele dieser Personen sind der Allgemeinheit bekannt, wenn auch nicht immer aufgrund des oben genannten Bezugs. Andere sind im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten. Darum ist es gut, dass uns eine Ausstellung wie diese die Personen wieder in die Erinnerung ruft.

Wir danken in erster Linie Dr. Reinhard Bauer für diese Zusammenstellung. Darüber hinaus gilt unser Dank auch Karola Kennerknecht für die Aufbereitung der Daten, sowie dem Kulturhistorischen Verein Feldmoching auf dem Gfild e.V. und der Volkshochschule München-Nord für deren Bereitstellung ihrer Räume für die Ausstellung.

 

Joseph Zott

* 16.5.1901 München; 15.1.1945 Brandenburg

Zottstraße (seit 1947) in der Fasanerie, heute nicht mehr existent

Joseph Zott war gelernter Schreiner und arbeitete als Bauaufseher bei der Stadtverwaltung. 1925 ging er zur Freien Gewerkschaft der Gemeindearbeiter. 1932 trat er der Bayerischen Volkspartei (BVP) und deren Wehrorganisation Bayernwacht bei.

Seit der Machtergreifung 1933 bekämpfte er das NS-Regime im „Harnier-Kreis“, einer monarchistischen bayerischen Widerstandsgruppe, zu dem neben ihrem Gründer Heinrich Weiß und dessen Nachfolger Adolf von Harnier auch Franz Fackler gehörte. Die Gestapo hatte Spitzel in die Gruppe eingeschleust und verhaftete 1939 die Mitglieder. Zott wurden erschwerend Kontakte zur KPD zur Last gelegt und ihm wurde die Planung eines gewaltsamen Umsturzes unterstellt. Daher wurde er 1944, während andere nur Gefängnisstrafen erhielten, vom Volksgerichtshof in Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt und im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

Die katholische Kirche hat Joseph Zott als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

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Josef Marquart Wintrich

Josef Wintrich 1951* 15.2.1891 München † 19.10.1958 Ebersberg

Wintrichring (seit 1959) in Moosach

Josef Marquard Wintrich war Sohn eines Postassistenten und studierte nach dem Besuch des Luitpold-Gymnasiums Jura in München. Da er wegen des Verlustes einer Hand nicht am Ersten Weltkrieg teilnehmen konnte, wurde er 1918 Assessor und 1921 promoviert. Er war aktives Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Aenania im CV. Er stieg zum Staatsanwalt auf und war Dozent an der Universität. 1926 wurde Wintrich Amtsrichter und 1930 schließlich 1. Staatsanwalt am Landgericht München II.

Wohl zur Strafe für sein Interesse für die sprunghaft angestiegenen Todeszahlen im KZ Dachau wurde Wintrich 1933 als Oberamtsrichter nach Ebersberg versetzt und die Lehrbefugnis wurde ihm entzogen.

1947 wurde Josef Wintrich, da unbelastet, Oberlandesgerichtsrat in München und 1953 Vizepräsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs. Im gleichen Jahr wurde das CSU-Mitglied zum Richter des Bundesverfassungsgerichts nach Karlsruhe berufen, zu dessen Präsidenten er 1954 ernannt wurde, was er bis zu seinem überraschenden Tode blieb. Nebenher war er Honorarprofessor und Leiter der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München.

Die herausragende Entscheidung in der Amtszeit des rechtskonservativen Juristen war das von Bundeskanzler Adenauer betriebene – und bis heute staats- und verfassungsrechtlich umstrittene KPD-Verbot vom 17. August 1956.

Foto: Josef Wintrich, 1951 von Bundesarchiv, B 145 Bild-F050216-0037

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Max Wönner

* 9.12.1896 München; † 22.11.1960 München

Max-Wönner-Straße (seit 1963) in der Siedlung am Lerchenauer See

Max Wönner machte 1911 eine Lehre als Schlosser und trat dem Deutschen Metallarbeiter-Verband bei, 1917 auch der SPD. Nach Kriegsteilnahme war er 1918/1919 in Gefangenschaft.

Dann war er im Ortsverwaltungsdienst des Deutschen Verkehrsbundes tätig, besuchte die Akademie der Arbeit und 1927 die Arbeiterhochschule in Birmingham. 1933 wurde er von den NS-Machthabern aus allen Ämtern entlassen und verhaftet. 1939 bis 1945 war er wieder zwangsweise Soldat.

1945 wurde Wönner Generalsekretär des DGB Bayern und Vorsitzender des DGB München. Daneben betrieb er eine Druckerei. 1949 bis 1953 war er Bundestagsabgeordneter. Wönner war entschiedener Gegner der Wiederaufrüstung Deutschlands und vertrat diese Haltung auch 1955 bei einer Großkundgebung des DGB auf dem Königsplatz in München. 1958 mußte Wönner aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gehen und verstarb 63-jährig in München.

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Erwin von Witzleben

Erwin von Witzleben 1940* 4.12.1881 Breslau; † 8.8.1944 Berlin-Plötzensee

Witzlebenstraße (seit 1955) in der Fasanerie

Erwin von Witzleben entstammte einer thüringischen Offiziersfamilie und absolvierte das preußische Kadettenkorps. Im Ersten Weltkrieg wurde er 1901 Leutnant, 1910 Oberleutnant und 1914 zum Hauptmann und dann zum Bataillonskommandeur befördert. Er wurde schwer verwundet und ausgezeichnet und erlebte das Kriegsende als Generalstabsoffizier. In der Weimarer Republik wurde Witzleben Kompaniechef und 1931 Oberst. In der NS-Zeit wurde er 1934 zum Generalmajor befördert, dann Befehlshaber des Wehrkreises Berlin und schließlich General der Infanterie.

1934 protestierte Witzleben gegen die Ermordung von Generalen im Zuge des „Röhm-Putsches“ und forderte eine gerichtliche Untersuchung. Seit 1937 suchte er nach einer Möglichkeit, Hitler zu stürzen. 1938 plante er in der „Septemberverschwörung“ das NS-Regime zu beseitigen. Durch Hitlers Erfolg beim Münchner Abkommen wurde der geplante Staatsstreich aber vereitelt. 1939 wurde dem zum Generaloberst beförderten Witzleben der Oberbefehl über die im Westen stationierte 1. Armee übertragen und er wurde wegen seiner Erfolge 1940 zum Generalfeldmarschall befördert und 1941 noch zum Oberbefehlshaber West berufen. 1942 wurde er angeblich aus gesundheitlichen Gründen, tatsächlich aber wegen des Verdachts, er sei Teil einer militärischen Opposition, durch Hitler in die Führerreserve versetzt.

1944 war Erwin von Witzleben von der Verschwörergruppe um Stauffenberg zugedacht, nach Hitlers Tod als ranghöchster deutscher Soldat den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht zu übernehmen. Generaloberst Ludwig Beck war als vorläufiges Staatsoberhaupt vorgesehen. Witzleben, der sich am 20. Juli im Oberkommando des Heeres in der Bendlerstraße aufgehalten hatte, wurde am Tag darauf verhaftet und später „unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestoßen“. Am 7. und 8.8.1944 wurde er vor dem Volksgerichtshof wegen Hochverrats unter dem Vorsitz von Roland Freisler angeklagt. Während des Schauprozesses musste er sich die Hose festhalten, da die GeStapo ihm die Hosenträger abgenommen hatte und er im Gefängnis abgemagert war. Freisler reagierte darauf, indem er von Witzleben fragte: „Was fassen Sie sich dauernd an die Hose, Sie schmutziger, alter Mann?“

Er wurde zum Tode verurteilt. Seine Schlussworte an Freisler sollen gewesen sein: „Sie können uns dem Henker überantworten. In drei Monaten zieht das empörte und gequälte Volk Sie zur Rechenschaft und schleift Sie bei lebendigem Leib durch den Kot der Straßen.“ Noch am Tag des Urteils wurde Erwin von Witzleben im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch Hängen, statt – wie sonst bei Militärangehörigen üblich – durch Erschießen hingerichtet.
• Gedenktafel an der Bayerischen Staatskanzlei in München
• In mehreren deutschen Städten sind Erwin-von-Witzleben-Straßen bzw. Witzlebenstraßen nach ihm benannt

Foto: Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben, 1940, von Bundesarchiv

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Karl Wessely

Karl Wessely* 6.4.1874 Berlin; † 25.2.1953 München

Wesselystraße (seit 1967) am Harthof

Karl Wessely wurde als Sohn eines Arztes jüdischer Herkunft geboren. Er wirkte nach dem Medizinstudium an den Augenkliniken in Würzburg und Berlin, wobei er daneben eine Privatpraxis hatte. Außerdem arbeitete er auch wissenschaftlich in der Physiologie. In Würzburg erfolgte 1908 die Habilitation und dann die Ernennung zum Professor und Berufung zum Direktor der Augenklinik. 1921/22 war er auch Rektor der Universität. Hier gelangen ihm bahnbrechende Forschungen, besonders zur Hornhaut, was später zur Bezeichnung „Wessely-Ring“ für den kornealen Immun-Ring führte. 1923 wurde ihm der Titel „Bayerischer Geheimer Sanitätsrat“ verliehen.

1924 wurde Wessely auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde an der Universität München berufen.

Wegen seiner „nichtarischen“ Herkunft wurde er, der in der Hochschullehrerkartei als „evangelisch“ geführt wurde, 1935 zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Er war durch spektakuläre Augenoperationen, besonders des Grünen Stars, eine Autorität geworden. Eine Intervention des Internationalen Ophthalmologenrates beim Reichsaußenminister erreichte, die ihm zustehenden Rentenbezüge zu gewähren sowie ihm weiter Berufsausübung und Reisetätigkeit zu gestatten.

1945 wurde Wessely durch die US-Militärverwaltung wieder die Leitung der Augenklinik anvertraut, die er bis zu seinem Tod innehatte.

Foto: Karl Wessely, von Nachlass Karl Wessely, mit Genehmigung des Kaden Verlags - Horst Kalthoff: Johannes Fuchs. Augenarzt im 20. Jahrhundert – ein Stück Zeit- und Medizingeschichte. Kaden Verlag, Heidelberg 2006. ISBN 978-3922777748, S. 19–26.

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Ernst Toller

Ernst Toller* 1.12.1893 Samotschin, Posen; † 22.5.1939 New York City

Ernst-Toller-Platz (seit 1996) in Schwabing

Ernst Toller war Sohn eines angesehenen jüdischen Getreidegroßhändlers. Er kam 1906 auf das Königliche Realgymnasium in Bromberg, wo er zum Militarismus erzogen wurde. Nach dem Abitur studiert er 1914 in Grenoble und trat am 9.8.1914 als Kriegsfreiwilliger dem 1. Kgl. Bay. Fuß-Artillerie-Regiment in München bei. Er kämpfte bei Verdun, wurde für seine Tapferkeit ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert. Hier entstanden seine ersten Gedichte gegen den Krieg. 1916 erlitt er einen Zusammenbruch und war nicht mehr kriegsverwendungsfähig. Toller studierte dann in München Jura, Philosophie und Literaturwissenschaft. Er begegnete Artur Kutscher, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Eugen Diederichs und Max Weber.

Ende 1917 traf er sich mit Pazifisten wie Kurt Eisner, Felix Fechenbach, Oskar Maria Graf und Erich Mühsam. Er trat der Unabhängigen Sozialdemokratische Partei (USPD) bei. Im Januar 1918 wurde er wegen Beteiligung am Munitionsarbeiterstreik inhaftiert und in die Psychiatrie eingewiesen. Er engagierte sich in der Revolution und übernahm nach der Ermordung von Ministerpräsident Kurt Eisner am 21.2.1919 dessen Nachfolge im Parteivorsitz der bayerischen USPD. Mit Gustav Landauer und Erich Mühsam hatte er eine führende Rolle bei der am 7.4. ausgerufenen ersten Räterepublik. In der am 13.4. ausgelösten zweiten (kommunistischen) Räterepublik wurde er stellvertretender Stadtkommandant. Vor dem Einmarsch von Freikorps- und Reichswehrtruppen tauchte Toller unter und wurde am 4.6. in Schwabing verhaftet.

Da der bekannte Soziologe Max Weber ihm als Zeuge die „absolute Lauterkeit“ eines radikalen Gesinnungsethikers bescheinigte, wurde er zu „nur“ fünf Jahren Festungshaft verurteilt. In der bis zum 15.7.1924 dauernden Haft schrieb Toller expressionistische Gedichte und Dramen (Masse Mensch, Die Maschinenstürmer, Hinkemann) die ihn bekannt machten. Mit seiner Geschichts - revue Hoppla, wir leben! feierte er 1927 einen großen Erfolg.

1932 ging Toller ins Exil nach Amsterdam und Zürich. Nach Ausbürgerung und Bücherverbrennung zog er über Paris und London nach Kalifornien. Der Spanische Bürgerkrieg und die Tatenlosigkeit demokratischer Kräfte gegen die Brutalität von Faschisten machten Toller depressiv und er erhängte sich 1939.

Foto: Ernst Toller während seiner Haft im Festungsgefängnis Niederschönenfeld (frühe 1920er Jahre), von National Library of Israel, Schwadron collection

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